Sag mal- Fragen, Teil 2: Ich und der/die Verstorbene

Sag mal, …

muss ich den Verstorbenen vergessen, um mit der Trauer abzuschließen?

Früher war das in der Tat mehr oder weniger das Ziel: Das „alte Leben“ und damit auch den Verstorbenen sollte man hinter sich lassen, nach vorne schauen und weiterleben. Heute weiß man, dass das nicht hilfreich ist. Denn die verstorbene Person wird immer Teil des Lebens sein.

Ziel sollte daher sein, diesem Menschen einen angemessenen Platz im Jetzt einzuräumen: einen, der es einem ermöglicht, sich dem Leben zuzuwenden, (neue) Beziehungen zuzulassen, Pläne zu schmieden und wie wir bei Blattwenden sagen: zu grünen.

Sag mal, …

ist es okay, wütend auf den Verstorbenen zu sein?

Natürlich ist das okay. Jedes Gefühl darf sein, nicht nur Traurigkeit. Gerade bei Suizid ist das total verständlich: Plötzlich ist die eigene Lebensrealität eine ganz andere und man hatte kein Mitspracherecht.

Durch den Tod fällt womöglich ein Einkommen weg und die finanzielle Situation gerät ins Wanken. Man wird in ein emotionales Chaos geworfen, die Welt steht Kopf. Rollen innerhalb der Familie müssen neu verteilt werden und das ist anstrengend. Ein wichtiges Gegenüber fehlt: ein Gesprächspartner, Verantwortungsteiler … Man fühlt sich womöglich gesellschaftlich ausgestoßen, weil Suizid noch immer ein Tabuthema ist und selbst engste Freunde mit der Situation teilweise überfordert sind.

Natürlich ist man da sauer. Wütend.

Diese Gefühle sind normal und man sollte sie zulassen. Irgendwann werden sie sich verändern – aber nur, wenn wir uns erlauben, wirklich die ganze Palette zuzulassen. Also bitte nichts wegdrücken! (Das klappt eh nicht auf Dauer.)

Sag mal, …

darf ich lachen und mir etwas Gutes gönnen, obwohl ich doch eigentlich gerade um einen geliebten Menschen trauere?

Klar, sogar sehr gerne und bitte ohne schlechtes Gewissen! Lachen tut gut. Und es heißt nicht, dass nicht im nächsten Augenblick schon wieder die Tränen fließen können. Oder man sich nach einem lustigen Abend mit Freunden die ganze Nacht wieder mit schweren Gedanken im Bett rumwälzt. Lachen und Weinen, Leichtigkeit und Schwere – diese Dinge wechseln sich ab, teilweise sogar in schneller Abfolge. Beides kann und darf sein.

Dir selbst Gutes zu tun, es dir bewusst zu gönnen, ist gerade jetzt absolut wichtig. Denn nur so hast du die Energie, die du für deinen Trauerprozess und alles, was mit dem Tod eines geliebten Menschen zu tun hat, brauchst. Was auch immer gut tut, ist erlaubt. Wenn andere das nicht verstehen, dann sieh das als ihr Problem an, nicht als deins.

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